Die Augsburger Puppenkiste — Ein Familienausflug zwischen Urmel und Jim Knopf
Veröffentlicht am 10. April 2026 · Lesezeit: ca. 9 Minuten
Wer als Kind in den 70er, 80er oder 90er Jahren aufgewachsen ist, kennt sie alle: Jim Knopf und Lukas den Lokomotivführer, das Urmel aus dem Eis, die kleine Hexe, Kater Mikesch und natürlich Kalle Wirsch. Sie alle stammen aus einem kleinen, unscheinbaren Gebäude im Herzen Augsburgs — dem wohl berühmtesten Marionettentheater der Welt: der Augsburger Puppenkiste. Ein Besuch lohnt sich nicht nur für nostalgische Erwachsene, sondern vor allem für Familien mit Kindern. Wir zeigen, was Sie bei einem Ausflug in die Puppenkiste wissen müssen und warum der Besuch fest zum Pflichtprogramm eines Augsburg-Aufenthalts gehört.
Eine Augsburger Institution seit 1948
Die Puppenkiste wurde 1948 von Walter und Rose Oehmichen gegründet — in einem umgebauten Saal des ehemaligen Heilig-Geist-Spitals, direkt am Roten Tor. Nach dem Krieg wollte die Familie Oehmichen Kindern wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern, und so begann die Geschichte des Theaters mit einer bescheidenen Vorstellung von "Der gestiefelte Kater". Heute, fast 80 Jahre später, ist die Augsburger Puppenkiste ein Kulturdenkmal, eine Kindheitserinnerung von Millionen und eines der beliebtesten Ausflugsziele der Stadt.
Der Durchbruch kam mit dem Fernsehen: Ab 1953 brachte die Hessische Rundfunk-Produktion "Peter und der Wolf" die Puppenkiste in deutsche Wohnzimmer. Es folgten Klassiker wie "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" (1962), "Urmel aus dem Eis" (1969) und "Die Sendung mit der Maus"-Beiträge. Die Marionetten wurden zum Teil der deutschen Popkultur.
Das Gebäude: Heilig-Geist-Spital am Roten Tor
Schon der Ort ist etwas Besonderes. Das Heilig-Geist-Spital, in dem die Puppenkiste ihr Zuhause hat, wurde bereits im 15. Jahrhundert gegründet und gehört zu den ältesten erhaltenen Sozialgebäuden der Stadt. Direkt nebenan liegt das Rote Tor mit dem Freilichtbühne-Gelände, wo im Sommer die bekannten Augsburger Freilichttheater-Aufführungen stattfinden. Die Lage ist ideal für einen Ausflug mit der ganzen Familie: Sie können Vormittags das Theater besuchen, Mittags in einem der umliegenden Cafés einkehren und Nachmittags einen Spaziergang durch das charmante Rote Tor-Viertel machen.
Das Programm: Klassiker und Neuinszenierungen
Das Repertoire der Puppenkiste umfasst über 100 Stücke — von klassischen Kindergeschichten bis zu modernen Inszenierungen für Erwachsene. Zu den Dauerbrennern gehören:
- Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer — Der wohl bekannteste Titel, ein Muss für die ganze Familie.
- Urmel aus dem Eis — Die Abenteuer des sprechenden Urzeitwesens auf der Insel Titiwu.
- Die kleine Hexe — Nach dem Klassiker von Otfried Preußler.
- Der kleine Prinz — Eine poetische Inszenierung des Saint-Exupéry-Klassikers, eher für ältere Kinder und Erwachsene.
- Sonderprogramme — In der Adventszeit gibt es weihnachtliche Vorstellungen, im Frühling und Sommer kinderfreundliche Klassiker.
Der aktuelle Spielplan wird auf der offiziellen Website der Puppenkiste veröffentlicht. Prüfen Sie vor Ihrem Besuch unbedingt, welche Stücke gerade auf dem Programm stehen — beliebte Vorstellungen sind oft Wochen im Voraus ausverkauft.
Tickets und Reservierung
Die Tickets für die Puppenkiste kosten zwischen 12 und 25 Euro, je nach Platzkategorie und Vorstellung. Kinder bis 14 Jahre zahlen ermäßigte Preise. Da der Theatersaal mit rund 220 Plätzen eher klein ist, empfehlen wir dringend eine frühzeitige Reservierung — am besten online über die Website der Puppenkiste oder telefonisch direkt beim Theater.
Wichtig: In der Ferienzeit (Pfingstferien, Sommerferien, Weihnachten) sind viele Vorstellungen bereits Monate im Voraus ausgebucht. Wer also plant, die Puppenkiste während eines Augsburg-Urlaubs zu besuchen, sollte die Tickets direkt mit der Unterkunftsbuchung einplanen.
Das Puppenkisten-Museum "Die Kiste"
Direkt neben dem Theater befindet sich das Museum "Die Kiste", in dem Sie die originalen Marionetten der Fernsehproduktionen hautnah erleben können. Hier stehen Jim Knopf, das Urmel, Kater Mikesch und viele andere Figuren in liebevoll gestalteten Vitrinen. Besonders spannend: Sie sehen, wie die Marionetten gebaut und gespielt werden, wie Kulissen entstehen und welche Tricks hinter den Filmen stehen. Der Eintritt ist mit 8 Euro pro Erwachsenem erschwinglich, Kinder bezahlen 5 Euro. Das Museum ist auch unabhängig vom Theaterbesuch zugänglich.
Tipps für den Familienbesuch
Planen Sie einen ganzen Tag ein: Kombinieren Sie den Besuch der Puppenkiste mit einem Spaziergang durch die Augsburger Altstadt, einem Mittagessen im Hotel Goldener Falke oder einem Besuch der nahen Fuggerei. Die UNESCO-Welterbestätten der Stadt sind alle fußläufig erreichbar.
Zielgruppe beachten: Nicht jede Vorstellung ist für jedes Alter geeignet. Während "Jim Knopf" schon für 4-Jährige spannend ist, richtet sich "Der kleine Prinz" eher an Kinder ab 10 oder Erwachsene. Die Website der Puppenkiste gibt für jedes Stück eine klare Altersempfehlung.
Anreise: Die Puppenkiste liegt direkt am Roten Tor, nur fünf Minuten Fußweg vom Rathausplatz entfernt. Mit der Tram erreichen Sie die Haltestelle "Rotes Tor" in wenigen Minuten aus allen Richtungen. Parkplätze sind in der Umgebung rar — wir empfehlen die Parkhäuser am Plärrer oder am Rathaus.
Übernachtung mit Familie: Wer einen Kurzurlaub mit Kindern in Augsburg plant, findet im Ratgeber zum Familienurlaub in Augsburg viele weitere Tipps zur passenden Unterkunft. Das Hotel Goldener Falke im Stadtteil Oberhausen bietet großzügige Familienzimmer und kostenlose Parkplätze direkt vor dem Haus — perfekt, wenn Sie mit Kinderwagen und Gepäck anreisen.
Essen und Trinken in der Nähe
Nach einer Vorstellung haben kleine und große Puppenkisten-Fans meist Hunger. Direkt am Roten Tor finden Sie mehrere kinderfreundliche Gastronomien: Das "Café am Roten Tor" serviert hausgemachte Kuchen und einfache Gerichte. Einige Minuten Fußweg entfernt liegt der Moritzplatz mit seinen Eisdielen und Cafés. Wer es traditioneller mag, kehrt im "Bauerntanz" ein — einer klassisch-bayerischen Wirtschaft mit Kinderkarte.
Fuggerei, Puppenkiste und Dom — Ein perfekter Augsburg-Tag
Ein besonders schöner Tagesablauf für Augsburg-Besucher mit Familie sieht so aus: Morgens Besuch der Fuggerei (Weltälteste Sozialsiedlung, nur wenige Gehminuten entfernt), anschließend Mittagessen in einem der traditionellen Lokale rund um den Rathausplatz, danach Vorstellung in der Puppenkiste. Als Ausklang empfehlen wir einen Spaziergang zum Augsburger Dom oder den Hofgarten am Stadttheater. Nach diesem Tag werden Ihre Kinder (und auch Sie selbst) wahrscheinlich erschöpft, aber begeistert ins Hotelbett fallen.
Praktische Infos auf einen Blick
Adresse: Augsburger Puppenkiste, Spitalgasse 15, 86150 Augsburg
Tram: Linie 1, Haltestelle "Rotes Tor"
Ticketpreise: 12–25 EUR, Kinder ermäßigt
Museum "Die Kiste": Di–So 10:00–19:00 Uhr, Eintritt 8 EUR (Erwachsene), 5 EUR (Kinder)
Webseite: Reservierungen und Spielplan über die offizielle Puppenkisten-Seite
Einkehrtipp nach dem Besuch: Café am Roten Tor, Bauerntanz, oder ein Biergarten in der Innenstadt
Fazit: Ein Stück deutsche Kulturgeschichte hautnah erleben
Ob als nostalgischer Ausflug für Erwachsene, als magisches Erlebnis für Kinder oder einfach als kulturelles Highlight während eines Augsburg-Aufenthalts — die Augsburger Puppenkiste gehört zu den authentischsten und schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. In einer Welt voller Streaming-Dienste und Computeranimation fasziniert die handwerkliche Kunst der Marionetten mehr denn je. Planen Sie Ihren Besuch rechtzeitig, reservieren Sie die Tickets im Voraus und lassen Sie sich in eine Welt entführen, die Generationen von Kindern geprägt hat.
Und wer weiß: Vielleicht entdecken auch Sie nach dem Besuch wieder Ihre alte Lieblingsfigur aus Kindheitstagen — das Urmel, den kleinen König oder Kater Mikesch. Die Puppenkiste ist Nostalgie und Gegenwart zugleich — und das macht sie so einzigartig.